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Wilde Burschen in Schwarz und Weiß

Wie aus Clubmitgliedern Wilderer, Stenzn und ziemlich schlaue Burschen werden Ein ordentliches Porträt zeigt, wie jemand aussieht. Ein gutes Porträt zeigt vielleicht noch ein bisschen mehr. Und bei den Porträts...

Wie aus Clubmitgliedern Wilderer, Stenzn und ziemlich schlaue Burschen werden

Ein ordentliches Porträt zeigt, wie jemand aussieht.

Ein gutes Porträt zeigt vielleicht noch ein bisschen mehr.

Und bei den Porträts des Adlerflaumclubs darf es ruhig so aussehen, als hätte der Dargestellte gerade etwas ausgeheckt, von dem die anderen besser noch nichts wissen sollten.

Genau darum geht es bei dieser Serie.

Für die Porträts werden alle Mitglieder des Adlerflaumclubs in einem bewusst wilden, direkten Schwarz-Weiß-Stil festgehalten. Keine glattgebügelten Gesichter, keine weichgezeichneten Hautpartien und schon gar kein Passfoto mit freundlichem Blick in die Kamera.

Hier darf Charakter auf das Papier.

Und davon haben die Herren schließlich genug.

Erst die Linie, dann der Charakter

Die Zeichnungen entstehen auf Papier und werden mit Kohlestift beziehungsweise sehr dunklen Zeichenstiften aufgebaut.

Dabei geht es nicht darum, jedes Detail fotografisch genau wiederzugeben. Im Gegenteil: Der Strich darf sichtbar bleiben.

Mal kräftig.

Mal schnell.

Mal fast ein wenig unverschämt.

Ein Schatten unter dem Hut wird zu einer tiefschwarzen Fläche, eine Falte im Gesicht bekommt ein paar energische Striche und aus einem freundlichen Blick wird plötzlich dieses gewisse:

„I woaß scho, was i dua.“

Die Zeichnung soll nicht perfekt wirken.

Sie soll leben.

Schwarz gegen Weiß

Entscheidend für den Stil ist der starke Kontrast.

Helle Flächen bleiben teilweise beinahe unbearbeitet, während Augen, Hut, Haare, Schatten und einzelne Gesichtszüge bewusst sehr dunkel herausgearbeitet werden.

Dadurch verliert das Porträt etwas von der klassischen Fotografie und bekommt einen fast grafischen Charakter.

Manche Flächen wirken gemalt, andere gekritzelt, wieder andere nur angedeutet.

Gerade dieses Unfertige macht den Reiz aus.

Das Auge ergänzt automatisch, was auf dem Papier vielleicht nur aus drei Strichen besteht.

Und plötzlich steht da keine saubere Porträtzeichnung mehr vor einem, sondern eine Figur.

Ein bisschen Wilderer muss sein

Durch die kräftigen Schatten und den rauen Strich verändert sich auch die Wirkung der Personen.

Aus einem völlig respektablen Mitglied des Adlerflaumclubs kann innerhalb weniger Minuten ein Wilderer aus dem vorletzten Jahrhundert werden.

Ein anderer bekommt etwas vom klassischen Münchner Stenz.

Und wieder ein anderer schaut plötzlich so aus, als hätte er gerade einen Plan entwickelt, der wahrscheinlich hervorragend ist – solange niemand genauer danach fragt.

Genau diese Zwischenwelt ist gewollt.

Die Bilder sollen nicht sagen:

„So sieht er aus.“

Sondern eher:

„So könnte seine Geschichte aussehen.“

Ein bisschen Wilderer.

Ein bisschen Lebemann.

Ein bisschen Filou.

Und natürlich immer ein ausgesprochen schlauer Bursche.

Zumindest auf dem Bild.

Der Hut hilft natürlich

Es lässt sich nicht leugnen:

Ein Hut ist für diese Art von Porträt ein ausgesprochen dankbares Kleidungsstück.

Eine breite Krempe wirft Schatten ins Gesicht, trennt helle und dunkle Flächen und gibt dem Porträt sofort Haltung.

Aus einem netten Herrn beim Clubabend wird so erstaunlich schnell jemand, bei dem man sich fragt, ob er gerade von der Jagd, aus dem Wirtshaus oder von einer streng vertraulichen Mission zurückkommt.

Vermutlich von allem ein bisschen.

Nicht schöner – sondern charaktervoller

Bei dieser Serie geht es deshalb auch nicht darum, jemanden jünger, glatter oder schöner zu zeichnen.

Ganz im Gegenteil.

Falten dürfen bleiben.

Markante Nasen sowieso.

Ein etwas verschmitzter Gesichtsausdruck wird eher verstärkt als korrigiert.

Denn das Interessante an einem Gesicht sind meistens genau die Dinge, die ein klassisches Retuscheprogramm am liebsten entfernen würde.

Bei diesen Porträts lautet das Prinzip eher:

Mehr davon.

Mehr Kontrast.

Mehr Schatten.

Mehr Strich.

Mehr Charakter.

Jeder bekommt sein eigenes Porträt

Nach diesem Prinzip entsteht nach und nach eine ganze Serie mit den Mitgliedern des Adlerflaumclubs.

Und obwohl alle Arbeiten die gleiche Handschrift tragen, soll jedes Bild seinen eigenen Charakter bekommen.

Der eine wirkt ein wenig verwegen.

Der nächste ausgesprochen weltmännisch.

Einer könnte direkt aus einer alten Wilderergeschichte stammen.

Und beim anderen ist ziemlich sicher:

Der war's.

Was auch immer passiert ist.

Natürlich ausschließlich künstlerisch betrachtet.

Eine Galerie von Charakterköpfen

Am Ende soll aus den einzelnen Zeichnungen mehr werden als nur eine Sammlung von Porträts.

Es entsteht eine kleine Ahnengalerie zu Lebzeiten.

Nur eben nicht mit Ölbild, Goldrahmen und ernster Miene.

Sondern mit Kohle, kräftigen Kontrasten, sichtbaren Strichen und einer guten Portion Selbstironie.

Denn genau das passt zum Adlerflaumclub.

Man darf Tradition mögen, ohne dabei furchtbar ernst dreinzuschauen.

Man darf sich ordentlich herausputzen und trotzdem ein Filou bleiben.

Und man darf sich selbstverständlich als Wilderer zeichnen lassen, ohne anschließend tatsächlich einen Adler jagen zu müssen.

Das wäre heute ohnehin eine ziemlich schlechte Idee.

So bleibt am Ende nur das Bild.

Wild im Strich, stark im Kontrast und immer mit diesem kleinen Verdacht im Blick:

Der Bursche weiß mehr, als er erzählt.

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